Die Eigenkapitalrentabilität (auch Eigenkapitalrendite oder Return on Equity, ROE) ist eine Kennzahl, die angibt, wie hoch sich das von den Eigentümern eingesetzte Eigenkapital innerhalb einer Periode verzinst hat. Sie setzt den erwirtschafteten Gewinn ins Verhältnis zum durchschnittlich eingesetzten Eigenkapital und zählt zu den wichtigsten Rentabilitätskennzahlen der Unternehmensanalyse.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Eigenkapitalrentabilität?
Die Eigenkapitalrentabilität beantwortet die Frage, wie effizient ein Unternehmen das Kapital der Anteilseigner einsetzt. Sie ist für Investoren von besonderer Bedeutung, da sie zeigt, welche Rendite das eingesetzte Eigenkapital im Vergleich zu alternativen Anlagen erzielt. Eine hohe Eigenkapitalrentabilität signalisiert grundsätzlich eine gute Verzinsung, kann aber auch durch einen hohen Fremdkapitalanteil (Hebelwirkung) künstlich gesteigert sein. Aus diesem Grund betrachten Analysten die Kennzahl nie für sich allein, sondern stets im Zeitverlauf mehrerer Geschäftsjahre und im Vergleich mit Wettbewerbern derselben Branche. Erst dieser Zusammenhang macht deutlich, ob eine bestimmte Höhe als gut oder schwach einzustufen ist.
Berechnung der Eigenkapitalrentabilität
Die Eigenkapitalrentabilität wird nach folgender Formel berechnet:
- Eigenkapitalrentabilität = (Gewinn / Eigenkapital) × 100
Ein Beispiel verdeutlicht die Berechnung: Erzielt ein Unternehmen einen Jahresüberschuss von 80.000 Euro bei einem Eigenkapital von 500.000 Euro, so ergibt sich:
- (80.000 € / 500.000 €) × 100 = 16 %
Das eingesetzte Eigenkapital hat sich in dieser Periode also mit 16 Prozent verzinst. Zum Vergleich wird häufig der landesübliche Zinssatz für risikolose Anlagen herangezogen: Liegt die Eigenkapitalrentabilität deutlich darüber, entschädigt sie die Eigentümer für das unternehmerische Risiko.
Leverage-Effekt und Aussagekraft
Ein wichtiger Zusammenhang ist der Leverage-Effekt (Hebelwirkung): Solange die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzins liegt, lässt sich die Eigenkapitalrentabilität durch zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital steigern. Dies erhöht jedoch zugleich das finanzielle Risiko. Bei der Beurteilung sollte die Eigenkapitalrentabilität daher nie isoliert betrachtet werden, sondern stets im Zusammenhang mit:
- der Gesamtkapitalrentabilität, die Eigen- und Fremdkapital einbezieht,
- der Kapitalstruktur und dem Verschuldungsgrad,
- branchenüblichen Vergleichswerten.
Steigt die Eigenkapitalrentabilität ausschließlich deshalb, weil das Unternehmen sein Eigenkapital reduziert und durch Fremdkapital ersetzt, so verbessert sich die Kennzahl nur scheinbar. Tatsächlich nimmt die finanzielle Stabilität ab, und im Falle sinkender Erträge kann die Hebelwirkung ins Negative umschlagen. Eine nachhaltige Steigerung der Eigenkapitalrentabilität setzt daher voraus, dass der Gewinn aus dem operativen Geschäft tatsächlich wächst.
Häufige Fragen zur Eigenkapitalrentabilität
Was sagt eine hohe Eigenkapitalrentabilität aus?
Eine hohe Eigenkapitalrentabilität bedeutet, dass das Unternehmen das Kapital der Eigentümer gut verzinst. Sie kann aber auch auf einen geringen Eigenkapitalanteil und damit auf erhöhtes Risiko hindeuten, weshalb stets weitere Kennzahlen einzubeziehen sind.
Worin unterscheiden sich Eigen- und Gesamtkapitalrentabilität?
Die Eigenkapitalrentabilität bezieht den Gewinn nur auf das Eigenkapital, während die Gesamtkapitalrentabilität den Gewinn zuzüglich der Fremdkapitalzinsen auf das gesamte eingesetzte Kapital bezieht. Letztere ist unabhängig von der Finanzierungsstruktur.
Welche Höhe gilt als gut?
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, da sie von Branche und Risiko abhängt. Als Orientierung gilt, dass die Eigenkapitalrentabilität deutlich über dem risikolosen Kapitalmarktzins liegen sollte, um das unternehmerische Risiko angemessen zu vergüten.