Eigenfertigung bezeichnet die Herstellung von Bauteilen, Komponenten oder Leistungen durch das Unternehmen selbst, anstatt sie von einem externen Lieferanten zu beziehen. Sie steht im Mittelpunkt der sogenannten Make-or-Buy-Entscheidung, also der Wahl zwischen Eigenerstellung und Fremdbezug.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Eigenfertigung?
Bei der Eigenfertigung produziert ein Betrieb die benötigten Teile mit eigenen Anlagen, eigenem Personal und eigenem Material. Der Gegensatz ist der Fremdbezug, bei dem ein anderes Unternehmen die Leistung erbringt. Die Entscheidung zwischen beiden Alternativen ist eine klassische Aufgabe der Kostenrechnung und der strategischen Unternehmensführung. Sie betrifft etwa die Fragen, ob ein Automobilhersteller Sitze selbst fertigt oder zukauft, oder ob ein Betrieb die Reinigung selbst übernimmt oder an einen Dienstleister vergibt.
Vorteile, Nachteile und Kostenvergleich
Die Eigenfertigung bietet eine Reihe von Vorteilen, bringt aber auch Nachteile mit sich:
- Vorteile: Unabhängigkeit von Lieferanten, Schutz von Know-how, bessere Qualitätskontrolle, sichere Verfügbarkeit, Auslastung eigener Kapazitäten
- Nachteile: hohe Fixkosten, gebundenes Kapital, geringere Flexibilität, fehlende Spezialisierungsvorteile, Risiko bei Auslastungsschwankungen
Die wirtschaftliche Grundlage der Entscheidung bildet ein Kostenvergleich. Dabei werden die Kosten der Eigenfertigung den Kosten des Fremdbezugs gegenübergestellt. Kurzfristig ist häufig entscheidend, ob der Bezugspreis über oder unter den variablen Kosten der Eigenfertigung liegt, da die Fixkosten ohnehin anfallen. Ein vereinfachtes Beispiel:
- Variable Stückkosten Eigenfertigung: 8 Euro
- anteilige Fixkosten: 3 Euro
- Bezugspreis Fremdbezug: 12 Euro
Sind die Kapazitäten vorhanden und die Fixkosten nicht abbaubar, ist die Eigenfertigung mit 8 Euro variablen Kosten günstiger als der Fremdbezug für 12 Euro. Müssten für die Eigenfertigung jedoch erst Anlagen beschafft werden, sind die zusätzlichen Fixkosten in den Vergleich einzubeziehen.
Strategische und qualitative Faktoren
Die Make-or-Buy-Entscheidung darf nicht allein an den Kosten festgemacht werden. Neben dem reinen Kostenvergleich sind auch qualitative und strategische Gesichtspunkte zu beachten:
- Kernkompetenz: Tätigkeiten, die den Wettbewerbsvorteil ausmachen, werden eher selbst erbracht.
- Abhängigkeit: Bei wenigen Lieferanten steigt das Risiko eines Lieferengpasses.
- Qualität und Termintreue: Eigene Fertigung erlaubt unmittelbare Kontrolle.
- Flexibilität: Fremdbezug erleichtert die Anpassung an schwankende Nachfrage.
Häufig entscheiden sich Unternehmen für eine Mischform und fertigen einen Teil selbst, während sie Spitzenbedarfe oder weniger kritische Komponenten zukaufen. So lassen sich die Vorteile beider Alternativen verbinden und Risiken streuen.
Häufige Fragen zur Eigenfertigung
Was bedeutet die Make-or-Buy-Entscheidung?
Die Make-or-Buy-Entscheidung ist die Wahl zwischen Eigenfertigung (Make) und Fremdbezug (Buy). Sie wird anhand von Kosten, Qualität, Verfügbarkeit und strategischen Überlegungen wie dem Schutz von Know-how getroffen.
Welche Kosten sind beim Vergleich entscheidend?
Kurzfristig kommt es vor allem auf die variablen Kosten der Eigenfertigung an, weil bestehende Fixkosten ohnehin anfallen. Langfristig oder bei nötigen Neuinvestitionen müssen auch die zusätzlichen Fixkosten in den Kostenvergleich einbezogen werden.
Welche strategischen Gründe sprechen für Eigenfertigung?
Für die Eigenfertigung sprechen besonders der Schutz von eigenem Know-how, die Unabhängigkeit von Lieferanten, eine bessere Qualitätskontrolle und die sichere Verfügbarkeit der benötigten Teile.