Home » Grundlagen Buchführung » Buchführung in der Industrie – ein bisschen anders

In der Buchhaltung gibt es verschiedene Richtlinien, die gesetzlich vorgegeben und beachtet werden müssen. Dazu gehört unter anderem auch die Erfassung aller anfallenden Kosten und Leistungen, die anhand eines speziellen Ordnungsschemas verbucht werden. Dieses speziell für Unternehmen entwickelte Ordnungsschema nennt sich Kontenrahmen. Hier gibt es verschiedene Einteilungen in Untergruppen, sodass es gelingt, wirklich jeden Vorgang in einem Geschäftsjahr korrekt zu erfassen. Diese Vorgänge werden nicht mit der Bezeichnung des Vorganges, sondern mit Nummern erfasst. So entsteht ein einheitliches Zahlensystem, das Übersichtlichkeit gewährleistet. Da jedes Unternehmen die gleichen Zahlen für die entsprechenden Konten verwendet, sind Vergleiche der einzelnen Bereiche sehr gut möglich.

Spezielles in der Industrie

Welchen Kontenrahmen die jeweiligen Betriebe verwenden, hängt größtenteils von der Betriebsgröße ab. Ein kleines mittelständisches Unternehmen wird sicherlich weit weniger verschiedene Konten benötigen wie ein weltweit tätiges Industrieunternehmen. Um hier den Anforderungen gerecht zu werden, wurde ein spezieller Industriekontenrahmen, kurz IKR, entwickelt und 1971 veröffentlicht. Unterschieden werden verschiedene Bereiche wie z. B. die Finanzbuchhaltung, das externe Rechnungswesen, die Kosten- und Leistungsrechnung und das interne Rechnungswesen. Die Aufteilung der verschiedenen Kontenklassen erfolgt in den Klassen von 0 – 9. Innerhalb dieser Klassen gibt es weitere Unterteilungen in Kontengruppen, sodass die einzelnen Vorgänge sehr spezifisch erfasst werden können. Innerhalb der Kontengruppen besteht nochmals eine feingliedrigere Unterteilung in Kontenarten.

Alles nur halb so wild

Niemand muss alle Kontengruppen und Kontenarten auswendig aufsagen können. Jedoch wird ein Buchhalter, der sich tagtäglich damit beschäftigt, die meisten gängigen Kontengruppen mit der entsprechenden Nummer spontan wissen. Für die Vorgänge, die nicht so oft anfallen und verbucht werden, kann man sich seinen Industrie-Kontenrahmen zur Hand nehmen und in diesem Ordnungssystem die entsprechende Information suchen. Je genauer die Buchungen vorgenommen werden, umso gezieltere Aussagen können über Wirtschaftlichkeit, Möglichkeiten der Kosteneinsparung usw. getroffen werden. Stellt man beispielsweise fest, dass im Laufe eines Geschäftsjahres zu hohe Einkaufskosten für Rohstoffe angefallen sind, besteht die Möglichkeit, mit dem Lieferanten neue Preise zu verhandeln. Vielleicht müssen ältere, kostenintensive Maschinen in der Produktion durch neue, effektivere Maschinen ersetzt werden, um auch hier Einsparungen zu erzielen. All diese Informationen sind aus einer ordnungsgemäßen Buchführung ersichtlich, die mit Hilfe eines Industriekontenrahmens ordentlich vorgenommen wurde.

Beispiel eines Industriekontenrahmen:

 

Kontenklassen Kontengruppen
0- Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen 07- Anlagen und Maschinen
08- Betriebs- und Geschäftsausstattung
1- Finanzanlagen 13- Beteiligungen
2- Umlaufvermögen und Rechnungsabgrenzung (aktiv) 20- Rohstoffe
21- Unfertige Erzeugnisse
22- Fertige Erzeugnisse
26- Sonstige Forderungen
28- Bank, Kasse
3- Eigenkapital und Rückstellungen 30- Privatkonto
39- Rückstellungen
4- Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzung (passiv) 48- Sonstige Verbindlichkeiten
480- Umsatzsteuer
49- Passive Rechnungsabgrenzung
5- Erträge 50- Umsatzerslöse
54- Sonstige betriebliche Erträge
6- Betriebliche Aufwendungen 62- Löhne
65- Abschreibungen auf Sachanlagen
69- Abschreibungen auf Forderungen
7- Weitere Aufwendungen 76- Außerordentlicher Aufwand
8- Ergebnisrechnung 801- Schlussbilanz-Konto
803- Gewinn- und Verlustkonto
9- Kosten- Leistungsrechnung