Liquiditätsgrade 1, 2 und 3 berechnen: Formel + Beispiel

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Liquiditätsgrade berechnen ist eine Kernaufgabe der Bilanzanalyse und des Controllings. Die Liquiditätskennzahlen geben Auskunft darüber, ob ein Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten fristgerecht zu begleichen. In diesem Artikel lernst du die Formeln für Liquidität 1., 2. und 3. Grades, berechnest sie anhand eines konkreten Beispiels und interpretierst die Ergebnisse – mit Richtwerten und häufigen Fehlern.

Was sind Liquiditätsgrade? Definition

Die Liquiditätsgrade (auch: Liquiditätskennzahlen) messen die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Sie setzen das kurzfristig verfügbare Vermögen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Je höher der Liquiditätsgrad, desto besser ist die kurzfristige Zahlungsfähigkeit – allerdings weist ein zu hoher Wert auch auf unproduktives gebundenes Kapital hin.

Formeln der drei Liquiditätsgrade

Kennzahl Formel Richtwert
Liquidität 1. Grades
(Cash Ratio)
Flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 20–50 %
Liquidität 2. Grades
(Quick Ratio)
(Flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 100–120 %
Liquidität 3. Grades
(Current Ratio)
Gesamtes Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 150–200 %

Flüssige Mittel = Kasse + Bank + Schecks. Kurzfristige Verbindlichkeiten = Verbindlichkeiten mit Fälligkeit ≤ 1 Jahr.

Berechnungsbeispiel Schritt für Schritt

Folgende Bilanzpositionen liegen vor:

Position Betrag
Kasse + Bank (flüssige Mittel) 30.000 €
Forderungen aLuL (kurzfristig) 80.000 €
Vorräte 60.000 €
Kurzfristige Verbindlichkeiten 100.000 €

Schritt 1 – Liquidität 1. Grades (Cash Ratio):
L1 = 30.000 ÷ 100.000 × 100 = 30 %
Bewertung: Liegt im Richtwertbereich (20–50 %). Das Unternehmen kann 30 % seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten sofort mit flüssigen Mitteln begleichen.

Schritt 2 – Liquidität 2. Grades (Quick Ratio):
L2 = (30.000 + 80.000) ÷ 100.000 × 100 = 110.000 ÷ 100.000 × 100 = 110 %
Bewertung: Liegt im Richtwertbereich (100–120 %). Das Unternehmen kann seine kurzfristigen Schulden mit flüssigen Mitteln und Forderungen zu 110 % decken.

Schritt 3 – Liquidität 3. Grades (Current Ratio):
Gesamtes Umlaufvermögen = 30.000 + 80.000 + 60.000 = 170.000 €
L3 = 170.000 ÷ 100.000 × 100 = 170 %
Bewertung: Liegt im Richtwertbereich (150–200 %). Das gesamte Umlaufvermögen übersteigt die kurzfristigen Verbindlichkeiten um 70 %.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Kennzahl Ergebnis Richtwert Bewertung
Liquidität 1. Grades 30 % 20–50 % ✓ gut
Liquidität 2. Grades 110 % 100–120 % ✓ gut
Liquidität 3. Grades 170 % 150–200 % ✓ gut

Interpretation und Grenzen der Kennzahlen

Alle drei Liquiditätsgrade liegen im empfohlenen Bereich – das Unternehmen ist kurzfristig zahlungsfähig. Die Richtwerte sind jedoch Orientierungsgrößen und branchenabhängig: Im Handel mit schnellem Lagerumschlag kann L3 deutlich unter 150 % liegen, ohne dass eine Liquiditätsgefährdung vorliegt. Entscheidend ist immer die dynamische Betrachtung über mehrere Perioden sowie der Vergleich mit Branchendurchschnittswerten.

Häufige Fragen

Warum sind drei verschiedene Liquiditätsgrade nötig?

Die drei Grade unterscheiden sich in der Strenge der Betrachtung. L1 berücksichtigt nur sofort verfügbare Mittel, L2 schließt kurzfristige Forderungen ein, L3 das gesamte Umlaufvermögen. Vorräte sind die am wenigsten liquide Position im Umlaufvermögen, weshalb L2 oft als aussagekräftiger gilt als L3.

Was bedeutet ein Liquiditätsgrad unter 100 % bei L2?

Ein Quick Ratio unter 100 % bedeutet, dass das Unternehmen seine kurzfristigen Schulden nicht allein durch flüssige Mittel und Forderungen decken kann – es müsste also Vorräte veräußern oder neue Kredite aufnehmen. Dies ist ein Warnsignal, das auf mögliche Zahlungsschwierigkeiten hindeutet.

Wie unterscheiden sich statische und dynamische Liquiditätsanalyse?

Die drei Liquiditätsgrade sind statische Kennzahlen (Stichtagsbetrachtung auf Basis der Bilanz). Die dynamische Liquiditätsanalyse nutzt die Kapitalflussrechnung und betrachtet Zahlungsströme über eine Periode – sie gilt als aussagekräftiger, da Bilanzkennzahlen nur eine Momentaufnahme liefern.

Fazit

Die drei Liquiditätsgrade sind einfach zu berechnen und liefern schnell einen Überblick über die kurzfristige Zahlungsfähigkeit. Liquidität 1. Grades zeigt die Sofortliquidität, L2 berücksichtigt zusätzlich Forderungen, L3 das gesamte Umlaufvermögen. Achte bei der Interpretation stets auf branchenspezifische Richtwerte und vergleiche die Kennzahlen über mehrere Perioden.

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