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Der Lieferantenkredit im Überblick

Der Lieferantenkredit ist ein in der Praxis häufig vorkommender Kredit der im Rahmen der Fremdfinanzierungsvariante konsumiert wird. Es ist Teil der Working Capital Finanzierung.

Der Kundenkredit steht im direkten Vergleich mit dem Lieferantenkredit. Beide sind in der Praxis sehr häufig anzutreffen. Man versteht darunter etwa geleistete Anzahlungen, Vorauszahlungen oder auch typische Abschlagszahlungen des Kunden an einen Lieferanten.

Vielfach ist der Kundenkredit auch so genutzt, wenn man inzwischen einer Planung sowie einer Fertigstellung einer Leistung viel Zeit liegt sowie die Leistung auf spezielle Bedürfnisse des Kunden ausgerichtet ist (als Beispiel könnte man hier größere Bauvorhaben anführen oder auch den Bau von Grossanlagen wie etwa Solaranlagen; auch im Schiffbau kommt er vor).

Der Kundenkredit wird als Teil der Kapitalisierung des Unternehmens angesehen. Somit ist es eine Finanzierungsart die ebenso als Kapital (in der Bilanz) ersichtlich ist.

Der Lieferantenkredit als am häufigste genutzte Finanzierungsmethode

Der Lieferantenkredit ist das in der Praxis am häufigsten benutzte Fremdfinanzierungsmittel. Da die Lieferanten meist an einer Umsatzausweitung interessiert sind, sind sie in aller Regel bereit, bei Verkäufen ein Ziel einzuräumen. Dieses beträgt gewöhnlich zwischen 1 und 3 Monaten, in Sonderfällen (zumBeispiel beim Industrie Anlageexporten) kann dieses Ziel aber auch mehrere Jahre betragen, weil die Käufer die Rückzahlung des Lieferantenkredites aus den Verkaufserlösen der mit der Anlage erzeugten Produkte vornehmen wollen.

Soweit der Lieferantenkredit ohne Eigentumsvorbehalt gegeben wird,  ist er ein ungesicherter und beschränkt mobiler Kredit, weil der Lieferant die Forderung abtreten bzw. verkaufen kann, wie das beim sog Factoring der Fall ist. Er ist scheinbar unentgeltlich, in Wirklichkeit aber sehr teuer, weil der Lieferant in den Zielpreis der Ware nicht nur hohe Zinsen, sondern auch noch eine Manipulationsgebühr und eine Risikoprämie einrechnet.

Die Höhe aller dieser Einrechnungen kann man aus dem Skonto ersehen, den der Lieferant gewährt, wenn das Ziel nicht in Anspruch genommen wird. Es empfiehlt sich häufig, einen Bankkredit aufzunehmen, um die von den Lieferanten gewährten Skonti in Anspruch zu nehmen, weil Bankkredite meist billiger sind als die Lieferantenkredite. Sowei die Lieferanten Eigentumsvorbehalte rechtsgültig vereinbaren (was bereits im Kaufvertrag und nicht erst auf der Rechnung erfolgen muss), liegt ein gedeckter Kredit vor. In der Praxis sind Eigentumsvorbehalte bei an Betriebe gelieferten Waren dann problematisch, wenn diese Waren verarbeitet werden müssen.

Vorteile Nachteile
  • Es sind keine vertraglichen Pflichten gegeben.
  • Formalien, wie die Prüfung der Kreditwürdigkeit, entfallen.
  • Falls der Skontorabatt nicht genutzt wird, fallen erhebliche Kosten an, die meistens vorher nicht zu sehen sind (= versteckte Kosten).