Monetarismus

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges trat die von vielen befürchtetet Nachkriegsdepression – als Folgeerscheinung der Schwierigkeiten beim Übergang von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft – nicht ein. Statt Massenarbeitslosigkeit entstand infolge des ungeheuren Nachhol- und Wiederaufbaubedarfs und des nicht im gleichen Schritt voranschreitenden Ausbaus der Produktionskapazitäten ein ganz anderes vordringliches Problem, nämlich das der Inflation.

Milton Friedman begründete die monetaristische Schule, die sich in erster Linie mit dem Inflationsproblem auseinandersetzte. Ihre Konzeption beruht auf einem ebenso einfachen und einleuchtenden Erklärungssatz wie die keynesianische. Eine (Nachfrage-) Inflation entsteht stets durch einen Nachfrageüberhang, indem die nominelle Nachfrage schneller wächst als das Produktionspotential. Alimentiert wird dieser Nachfrageüberhang durch eine entsprechende Geldmengenexpansion, die aus verschiedenen Quellen stammen kann:

  • einer Erhöhung der monetären Basis durch die Notenbank
  • einer Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes
  • einer bis zu den Grenzen der gesetzlichen Liquiditätsvorschriften gehenden Kreditschöpfung des Bankensystems
  • dem Abbau der bestehenden Kassenhaltung bei den Haushalten, den Unternehmungen und dem Staat.

Die Therapie, die sich aus diesem Erklärungsansatz aufdrängt, ist logisch. Da Inflation stets dadurch entsteht, dass die Geldmenge rascher wächst als das Produktionspotential, muss die Notenbank dafür besorgt sein, dass es wieder zu einem Gleichgewicht zwischen den beiden gesamtwirtschaftlichen Größen kommt. Das beste Instrument hierzu liegt nach der Meinung der Monetaristen in der Steuerung der monetären Basis. Derzeit wird innerhalb der europäischen Union eine Inflationsrate von knapp 2 % pro Jahr angestrebt.

Die wichtigsten Kernpunkte der Konzeption sind daher:

  • Die Konzentration auf die Geldmengensteuerung durch die Notenbank.
  • Die Finanzpolitik des Staates wird vor allem wegen der zahlreichen „Zeit lags“ im politischen Entscheidungsprozess als ungeeignetes Instrument der Stabilitätspolitik bezeichnet.
  • Im Gegensatz zur keynesianischen Konzeption wird eine antizyklische Stabilitätspolitik abgelehnt. Es erfolgt zugleich eine deutliche Absage an das Konzept der Feinsteuerung. Stattdessen wird eine mittelfristige Verstehungspolitik gefordert. Sie besteht darin, dass die Notenbank das Wachstum der Geldmenge auf das mittelfristige Wachstum des Produktionspotentials ausrichtet, was sich auch stabilisierend auf die Erwartungen der Unternehmungen auswirken sollte.
  • Die Finanzpolitik sollte ebenfalls auf ein langfristiges Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben ausgerichtet werden, so dass auch von dieser Seite stabilisierende Wirkungen ausgehen sollten.
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