Inflationsrate berechnen

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Es ist von entscheidender Wichtigkeit, nicht nur zu erkennen, dass sich eine Inflation entwickelt, sondern auch zu berechnen, wie sich die Inflation abspielt. Nur eine solche Berechnung kann darüber Aufschluss geben, in welcher Höhe, Geschwindigkeit, Stärke die Inflation abläuft und in welcher Phase sich eine inflationäre Entwicklung gerade befindet. Zu diesen Feststellungen wird die Inflationsrate berechnet.

Formel zur Berechnung der Inflationsrate

Die offizielle Methode zur Berechnung der Inflationsrate in Deutschland basiert auf dem Verbraucherpreisindex (VPI). Das Statistische Bundesamt (Destatis) erfasst monatlich die Preise eines repräsentativen Warenkorbs und berechnet daraus den VPI. Als Basisjahr gilt derzeit 2020 = 100.

Schritt 1 – Verbraucherpreisindex berechnen:

VPI = (Kosten des Warenkorbs im Berichtsjahr / Kosten des Warenkorbs im Basisjahr) × 100

Schritt 2 – Inflationsrate berechnen:

Inflationsrate (%) = ((VPIaktuell − VPIVorjahr) / VPIVorjahr) × 100

Rechenbeispiel (Jahresdurchschnitte, Basisjahr 2020 = 100)

Beispiel 1 – Inflationsrate 2024:

  • VPI 2024 (Jahresdurchschnitt): 119,3
  • VPI 2023 (Jahresdurchschnitt): 116,7
Inflationsrate 2023 = ((116,7 − 110,2) / 110,2) × 100 = (6,5 / 110,2) × 100 ≈ 5,9 %

Beispiel 2 – Inflationsrate 2022 (Rekordjahr):

  • VPI 2022 (Jahresdurchschnitt): 110,2
  • VPI 2021 (Jahresdurchschnitt): 103,1
Inflationsrate 2022 = ((110,2 − 103,1) / 103,1) × 100 = (7,1 / 103,1) × 100 ≈ 6,9 %

Inflationsrate – Grundlagen der Berechnung

Als Grundlagen für die Berechnung der Inflationsrate dienen Durchschnittsdaten für Preisentwicklung und Geldwert. Dafür gültige Faktoren sind zum Beispiel:

  • Produkte des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittel
  • Gebrauchsgüter, die für eine zeitgemäße Lebenshaltung angemessen sind, wie beispielsweise Kühlschrank, Fernseher, Bekleidung, Telefon usw.
  • Für eine zeitgemäße Lebenshaltung nötige Dienstleistungen, zum Beispiel Wohnungsmiete, Handwerksleistungen, Frisör usw.

Aus dem Durchschnitt solcher Güter leitet sich der Warenkorb ab, dessen Durchschnittspreise insgesamt eine der Grundlagen für die Berechnungen der Inflationsrate sind.

Eine weitere Näherungsformel lautet:

Wachstum der Geldmenge M3 minus Wirtschaftswachstum = Inflation

Diese Formel ist jedoch eine vereinfachte Schätzung und eignet sich nicht zur genauen Bestimmung der monatlichen Inflationsrate. Die offizielle Inflationsrate wird stets über den Verbraucherpreisindex ermittelt.

Aktuelle Inflationsraten in Deutschland

Die folgende Tabelle zeigt die jährlichen Inflationsraten in Deutschland (Quelle: Statistisches Bundesamt / Destatis):

Jahr VPI (Ø, 2020=100) Inflationsrate (Ø) Besonderheit
2019 98,6 1,4 % Normales Preisniveau
2020 100,0 0,5 % COVID-Sondereffekte (MwSt.-Senkung Jul.–Dez.)
2021 103,1 3,1 % Aufholeffekte nach COVID, Rohstoffknappheit
2022 110,2 6,9 % Energiekrise, Ukraine-Krieg; Höchstwert 10,4 % (Okt.)
2023 116,7 5,9 % Rückgang, aber noch weit über EZB-Ziel (2 %)
2024 119,3 2,2 % Deutliche Normalisierung; EZB-Ziel fast erreicht
2025 121,9 2,2 % Stabilisierung; EZB-Ziel (2 %) erreicht

Unterschiedliche Auswirkungen in verschiedenen Bereichen

Der Berechnung der Inflation für eine Volkswirtschaft liegen also Gesamt-Durchschnittswerte zugrunde. Diese beziehen logisch sowohl solche Produkte und Dienstleistungen ein, die von hohen wie auch niedrigen Preissteigerungen oder sogar fallenden Preisen betroffen sind. Verläuft eine Inflation in einer einigermaßen überschaubaren Geschwindigkeit und Stärke, so gibt es bestimmte Güter, bei denen sich hohe Preisraten bemerkbar machen, aber auch Güter, die gerade günstig sind. Erst im Fall einer sehr rasant verlaufenden Inflation oder bei der Hyperinflation sind restlos alle einzelnen Bereiche der Volkswirtschaft und jedes Gut des Warenkorbs von der Inflation betroffen.

Während der Hochinflationsphase 2022 zeigte sich diese Differenzierung deutlich: Energiepreise stiegen teils um über 40 %, während bestimmte Industriegüter wie Elektronik von globalen Preisrückgängen profitieren konnten. Der Durchschnittswert von 6,9 % spiegelt daher nicht die individuelle Betroffenheit jedes Haushalts wider – wer viel Energie verbraucht, spürte die Inflation 2022 erheblich stärker als der statistische Durchschnitt.

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