Devisenspekulationen

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Devisenspekulationen sind dadurch gekennzeichnet, dass der Kauf (Verkauf) ausländischer Währungen aus reinem Gewinnbestreben von Dritten getätigt wird. Es wird darauf spekuliert, dass bei den Devisentransaktionen der Wechselkurs entweder steigt oder sinkt. Das Ziel kann auch ein „swing“ sein, um die Devisen später mit Gewinn wieder zu verkaufen bzw. dann auch wieder zurückzukaufen. Die Devisentransaktion erfolgt am Markt für Kassadevisen, am Markt für Termindevisen oder in Form eines Swapgeschäfts.

Aufgrund der heutigen Marktmacht von Hedge Fonds und anderen großen mächtigen Finanzinstitutionen kann es im System fixer Wechselkurse auch zu Devisenspekulationen kommen, die destabilisierend auf ganze Volkswirtschaften wirken können. Als Beispiel kann hier die sog. als „ Pfundkrise“ in die Geschichte eingegangene Devisenspekulation gegen das britische Pfund aus den frühen 90er Jahren genannt werden.

„Die Pfundkrise im September 1992 war eine Spekulation gegen das Britische Pfund, die das Europäische Währungssystem (EWS) beinahe zum Einsturz brachte.

George Soros und andere Investoren waren der Meinung, dass das britische Pfund überbewertet sei und dass Großbritannien entweder das Pfund abwerten oder das EWS verlassen würde. Soros und andere setzten daher große Geldsummen zur Schwächung des Fonds ein. Zuerst versuchte die britische Notenbank noch, durch Stützungskäufe ihre Währung zu stabilisieren. Als das aber wenig Wirkung zeigte, gab sie am 16. September 1992 eine Zinserhöhung von zuerst 10 % auf 12 % bekannt, um die Attraktivität des Pfundes zu steigern und Investoren anzuziehen. Nur wenige Stunden später stellte die Notenbank eine Erhöhung des Zinssatzes auf 15 % in Aussicht. Die Spekulanten ignorierten aber diese Aussage und setzten weiterhin hohe Summen gegen das britische Pfund, so dass gegen 19 Uhr Ortszeit der britische Finanzminister bekannt gab, dass Großbritannien das EWS verlassen würde und die Zinsen wieder auf das alte Niveau von 10 % gesenkt würden. In der Folge fiel das britische Pfund in den nächsten fünf Wochen um fast 15 % gegenüber der deutschen Mark, die ebenfalls an Wert verloren, und um 25 % gegenüber dem US-Dollar“.

Dazu muss angemerkt werden, dass die Notenbanken im System fester Wechselkurse  verpflichtet sind, zum Zwecke der Stabilität am Markt, einzugreifen.

Wie man aus obigem Beispiel gesehen hat, wurde versucht die Notenbank in einem solchen Ausmaß herauszufordern, Devisen gegen Hingabe inländischer Zahlungsmittel aufzukaufen oder gegen Einzug inländischen Geldes abzugeben, dass das gesamte volkswirtschaftliche Gefüge zusammenbricht. Denn hätte die Notenbank weiter interveniert, dann wäre es zu einem Kampf gekommen, der vermutlich die inländische Geldversorgung in einer unter binnenwirtschaftlichen Gesichtspunkten unvertretbaren oder unerwünschten Weise gestört hätte. Der Grund lag in den unbezahlbar hohen Zinssätzen für Privatpersonen und Unternehmen, die folglich keine Investitionen mehr tätigen.

Aber auch in einem System freier Wechselkurse können durch die Devisenspekulation ausgelöste Wechselkursschwankungen zu einer Verzerrung der internationalen Handelströme führen. Letztlich liegt es an der Stärke einer Volkswirtschaft, ob sie gegen Devisenspekulationen erfolgreich vorgehen kann.

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