Die Offenmarktpolitik ist das wichtigste Instrument der EZB zur Steuerung der Liquidität im Bankensystem und der Zinsen am Geldmarkt. Dabei kauft oder verkauft die EZB Wertpapiere und andere Aktiva direkt am Markt – daher der Name „Offenmarkt“.
Inhaltsverzeichnis
Ziele der Offenmarktpolitik
Durch Offenmarktgeschäfte steuert die EZB:
- die Liquidität im Bankensystem (Geldmenge)
- das Zinsniveau am Geldmarkt
- den geldpolitischen Kurs (expansiv oder restriktiv)
Instrumente der Offenmarktpolitik
1. Hauptrefinanzierungsgeschäfte (MROs)
Wöchentliche Kreditauktionen, bei denen Geschäftsbanken kurzfristig Zentralbankgeld gegen Sicherheiten erhalten. Der dabei angewandte Zinssatz ist der Hauptrefinanzierungssatz – der wichtigste Leitzins der EZB. Mengentender: EZB gibt Zinssatz vor, Banken bieten Betrag. Zinstender: Banken bieten Betrag und Zinssatz.
2. Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTROs / TLTROs)
Kredite mit längeren Laufzeiten (3 Monate bis 4 Jahre). Gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs – Targeted Longer-Term Refinancing Operations) sind an Bedingungen geknüpft (z. B. Kreditvergabe an Unternehmen) und wurden insbesondere seit 2014 eingesetzt.
3. Feinsteuerungsoperationen
Kurzfristige, unregelmäßige Operationen zum Ausgleich von Liquiditätsschwankungen.
4. Anleihekaufprogramme – Quantitative Lockerung (QE)
Seit 2015 kauft die EZB im großen Stil Wertpapiere direkt am Markt – sogenanntes Quantitative Easing (QE). Dies ist eine Form der Offenmarktpolitik, die traditionelle Leitzinssenkungen ergänzt, wenn die Zinsen bereits nahe null sind.
Wichtige Programme:
- APP (Asset Purchase Programme, ab März 2015): Ankauf von Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Covered Bonds und Asset-Backed Securities. Volumen: über 3 Billionen €. Ziel: Deflationsbekämpfung und Stimulierung der Kreditvergabe.
- PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme, März 2020 – März 2022): Notfallprogramm in der COVID-19-Pandemie. Volumen: 1,85 Billionen €. Flexiblere Regeln als das APP (auch griechische Staatsanleihen).
Ab 2022 wurden die Anleihekäufe im Zuge der Bekämpfung der hohen Inflation eingestellt.
Wirkungsweise: Liquiditätssteuerung
Liquiditätszufuhr (expansiv): EZB kauft Wertpapiere → Geld fließt in den Markt → Liquidität steigt → Kreditvergabe wird erleichtert → Geldmenge steigt → Konjunktur wird angeregt.
Liquiditätsentzug (restriktiv): EZB verkauft Wertpapiere → Geld fließt aus dem Markt → Liquidität sinkt → Kreditvergabe wird erschwert → Geldmenge sinkt → Inflation wird gebremst.
Bedeutung für den Geldmarkt
Über die Offenmarktgeschäfte erhalten Geschäftsbanken den Großteil ihres kurzfristigen Refinanzierungsbedarfs. Die EZB nimmt dabei immer die Initiative – es handelt sich nicht um ein passives Instrument, sondern um aktive Marktintervention. Die Offenmarktpolitik bildet damit das Herzstück der modernen Geldpolitik der EZB.