Europäische Zentralbank

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und wurde im Jahr 1998 gegründet. Sie ist ein Organ der Europäischen Union und bildet zusammen mit den nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedstaaten das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Innerhalb des ESZB bilden die EZB und die nationalen Zentralbanken der Eurozone das Eurosystem.

Die wichtigsten Bestimmungen zur EZB wurden bereits 1992 im Vertrag von Maastricht festgelegt. Den offiziellen Status eines Organs der EU erlangte die EZB erst 2007 mit dem Vertrag von Lissabon. Weitere Grundlagen finden sich im AEU-Vertrag (AEUV), der die gemeinsamen Aktivitäten der Mitgliedstaaten regelt.

Sitz und Hauptgebäude

Seit November 2014 hat die EZB ihren Sitz im neuen EZB-Hauptgebäude auf der Sonnemannstraße 20 in Frankfurt am Main. Das markante Gebäude wurde auf dem Gelände der historischen Frankfurter Großmarkthalle errichtet, die als denkmalgeschützter Teil in den Neubau integriert wurde. Entworfen vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelblau, besteht es aus zwei Bürotürmen mit 45 und 43 Stockwerken. Die offizielle Eröffnungsfeier fand am 18. März 2015 statt.

Zuvor war die EZB von 1998 bis 2014 im sogenannten Eurotower untergebracht, der sich ebenfalls in Frankfurt befindet.

Aufgaben der EZB

Die wichtigsten Aufgaben der EZB sind:

  • Preisstabilität im Euroraum: Das primäre Ziel ist die Sicherung stabiler Preise. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 % an.
  • Geldpolitik: Die EZB legt die Geldpolitik für alle Länder der Eurozone fest und setzt diese um.
  • Bankenaufsicht (seit 2014): Im Rahmen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM, Single Supervisory Mechanism) übernimmt die EZB seit November 2014 die direkte Aufsicht über bedeutende Kreditinstitute im Euroraum.
  • Währungsreserven: Verwaltung der Währungsreserven der Eurozone.
  • Euro-Bargeld: Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken gibt die EZB Euro-Banknoten aus.

Geldpolitik der EZB – Entwicklung

Die EZB hat ihr geldpolitisches Instrumentarium in den vergangenen Jahren erheblich erweitert:

  • Leitzinssenkungen bis auf 0 % (2014–2022): Ab 2014 senkte die EZB die Leitzinsen schrittweise. Ab März 2016 lagen der Hauptrefinanzierungssatz bei 0 % und der Einlagenzins sogar bei −0,5 % (Negativzins). Dies war historisch einmalig und sollte die Kreditvergabe und Konjunktur ankurbeln.
  • Anleihekaufprogramme (QE): Ab 2015 kaufte die EZB im Rahmen des Asset Purchase Programme (APP) in großem Umfang Staatsanleihen und andere Wertpapiere auf. Ziel war es, die Geldmenge zu erhöhen und Deflationsrisiken zu begegnen.
  • PEPP (2020–2022): Mit dem Pandemic Emergency Purchase Programme reagierte die EZB auf die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie mit Wertpapierkäufen im Umfang von 1,85 Billionen Euro.
  • Zinswende 2022–2023: Als die Inflation im Euroraum auf über 10 % stieg, leitete die EZB die schnellste Zinswende ihrer Geschichte ein. In mehreren Schritten erhöhte sie den Leitzins von 0 % auf 4,5 % (Stand: Oktober 2023).
  • Zinssenkungen ab 2024: Mit dem Rückgang der Inflation begann die EZB ab Mitte 2024 schrittweise, die Leitzinsen wieder zu senken.

Die EZB steuert die Geldpolitik über verschiedene Instrumente: Leitzinsen (Hauptrefinanzierungssatz, Einlagenzins, Spitzenrefinanzierungssatz), Offenmarktgeschäfte sowie Mindestreserveanforderungen.

Die Europäische Zentralbank: Steckbrief

Merkmal Details
Gründung 1. Juni 1998 (Vorgänger: Europäisches Währungsinstitut)
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland
Zuständigkeitsbereich Euroraum (aktuell 20 EU-Mitgliedstaaten)
Primärziel Preisstabilität: Inflation mittelfristig bei 2 %
Entscheidungsorgan EZB-Rat (wichtigstes Organ), Direktorium, Erweiterter Rat
Unabhängigkeit Politisch unabhängig (Art. 130 AEUV)

Geldpolitische Instrumente der EZB

Instrument Wirkungsweise
Leitzinsen Hauptrefinanzierungssatz, Spitzenrefinanzierungssatz, Einlagesatz
Offenmarktgeschäfte Kauf/Verkauf von Wertpapieren zur Steuerung der Liquidität
Mindestreserve Pflichteinlage der Banken bei der EZB
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